Galerie Marianne Heller

Earthen Beauty

06.09.2020 – 25.10.2020

Ausflug in die Antike Südost-Asiens. Masterpieces from the Dr. Kurt Sandmair Collection.
Wenn Marianne Heller, deren Heidelberger Galerie seit mehr als vierzig Jahren der internationalen Keramik der Gegenwart ein lebendiges Forum bietet, sich nun mit einer Schau früher thailändischer Töpferkunst in eine ferne Vergangenheit begibt, dann ist dies zunächst zweifellos überraschend. Es ist gewiss für die Galeristin ein Experiment und für den Betrachter eine besondere Herausforderung an seine Sehgewohnheiten. Doch rasch stellt man fest: im Gegenüber zu den sehr vielgestaltigen Keramikformen der Gegenwart haben diese frühen Meisterwerke in Ton in ihrem archaischen Erscheinungsbild eine große Frische und Lebendigkeit, man könnte auch sagen: eine gewisse Einfachheit und Selbstverständlichkeit, die wohl tut.

Die ausgestellten Stücke gehören zur Sammlung von Dr. Kurt Sandmair (1932-2013), einem Münchner Patentanwalt, der zwischen den mittleren 1960er und den frühen 80er Jahren aufgrund seiner vielfältigen Geschäftskontakte in die Region eine der bedeutendsten Sammlungen früher südostasiatischer Keramik anlegen konnte. Die vom Sammler ganz offensichtlich mit geübtem Auge ausgesuchten Keramiken entführen den Betrachter mit ihrer archaischen Formgebung und ihrer sehr besonderen Oberflächengestaltung in eine geheimnisvolle, längst vergangene Welt mit einem höchst eigenwilligen Verständnis von Gestaltung.

Kunstraum Vincke Liepmann

Zum vierten Mal zeigt der Kunstraum Vincke-Liepmann die absolut eigenständige Kunst von Cholud Kassem. Die meisten ausgestellten Bilder sind ganz aktuelle Arbeiten und Teil der größeren Serien „Burka Hidschab Nonnenschleier“ und „Schutz- und Tarnhelme II“, die über mehrere Jahre hinweg entstanden.
Sie behandeln die Themen, die sich auch in den vorhergehenden Serien mehr oder weniger rätselhaft, ablesen lassen und zeigen das Bedürfnis, sich zu schützen, abzugrenzen oder zu erwehren.

Die beiden Serien behandeln das Thema Kleidung und Kopfbedeckung, wie auch schon in früheren Arbeiten: Kleidung umschließt den Körper und grenzt ein „Außen“ ab. Sie definiert eine private Sphäre. Kleidung gibt Schutz, kann feierlich sein, kann zeigen, aber auch verhüllen, sogar ein tragbares Versteck sein.
Ergänzend zu der Malerei auf Papier wird eine Projektion von Fotos gezeigt, die im Kontext der Religionen stehen, mit denen Cholud Kassem im Laufe des Lebens in Berührung kam und die sie zu dem Titel der Ausstellung “Burka Hidschab Nonnenschleier” veranlasste.

Cholud Kassem: Burka Hidschab Nonnenschleier

19.09.2020 bis 25.10.2020

Die Ausstellung kann ab sofort besucht werden. Terminabsprache: 0172 – 615 8497

Heidelberger Kunstverein

Ian Kiaer: endnote (ping)

05.09.2020 – 01.11.2020

Über zarte Aquarelle legen sich ausrangierte Plexiglasscheiben aus Bushaltestellen. Es entstehen Bilder aus mehreren Schichten, in denen unbekannte Fahrgäste Spuren hinterlassen haben. Architekturmodelle finden ihren Platz am Boden, pneumatische Objekte wiegen sich im Raum, in einiger Entfernung wächst eine Pflanze.

Ian Kiaers poetische Installationen aus Alltagsgegenständen, gefundenen Materialien, Modellen und Malerei können als offene, modellhafte Versuchsanordnungen erfahren werden. Mit seinen ›endnotes‹ (engl.: Fußnoten) legt er Bezüge zu (utopischen) Entwürfen aus Architektur, Philosophie und Literatur nahe. So schafft er Erfahrungsräume, die gleichzeitig Denkräume eröffnen: historische Impulse und aktuelle Debatten werden zusammengeführt, um Verständnis für unterschiedliche Formen der eigenen Position in Relation zur Welt zu verhandeln.

Ausgangspunkt für Ian Kiaers Arbeiten bilden zum Beispiel Friedrich Kieslers Auseinandersetzung mit dem endlosen Raum, Michael Marders Untersuchungen zum Erleben von Pflanzen und Samuel Becketts Textexperimente. Dabei streift Ian Kiaer aktuelle Diskussionen u.a. um das Verhältnis zu Natur oder Kolonialismus. Ian Kiaers Installationen und Objekte können als offene Versuchsanordnung oder als (vorläufiges) Ergebnis einer Reihe von Assoziationen verstanden werden.

Die Ausstellung im Heidelberger Kunstverein trägt den Titel ›endnote (ping)‹. Mit ›ping‹ nimmt Ian Kiaer Bezug zu Samuel Becketts Text ›Ping‹ (original franz. ›bing‹ 1966, von ihm selbst 1967 mit dem Titel ›ping‹ ins Englische übertragen).

›All known all white bare white body fixed one yard legs joined like sewn. Light heat white floor one square yard never seen. White walls one yard by two white ceiling one square yard never seen. Bare white body fixed only …‹

Mit syntaktischen Verkürzungen der Sätze, Ellipsen und dem Ausstieg aus der linearen Narration wird Raum (in Becketts Text ein weißer geschlossener Raum) als fragmentarische und assoziative, als subjektive Wahrnehmung, wie objektive Kraft konstruiert.

Kiaer nutzt Boden und Wände in seinen Arbeiten und der Ausstellungsplanung als gleichberechtigte Flächen für die Präsentation und spielt mit unterschiedlichen Dimensionen und Maßstäben. Im Heidelberger Kunstverein nutzt der international renommierte Künstler die verschiedenen offenen Raumebenen und präsentiert eine neue, für den Heidelberger Kunstverein angefertigte, pneumatische raumgreifende Skulptur.

In Kooperation mit der Kunsthalle Lingen.

Ian Kiaer (*1971 in London) studierte am Royal College of Art und der Slade School of Art in London und arbeitet nun in London und Oxford. Einzelausstellungen: Aspen Art Museum (USA), Kunstverein München, Galleria d’Arte Moderna e Contemporanea, Turin und Musée d’Art Moderne de la Ville de Paris. Gruppenausstellungen: Mudam Luxembourg, Tate Modern und Tate Britain in London, Hammer Museum in Los Angeles, Hayward Gallery in London, Manifesta 3 in Ljubljana, Biennale d’Art contemporain, Rennes, Biennale de Lyon, Istanbul Biennale, Venedig Biennale und Berlin Biennale.

Bettendorffsche Galerie

Charly Dubois Escorsell • Elisa Redoul • Lucas Rousseau

18.10.2020 – 20.12.2020

Die Bettendorffsche Galerie präsentiert in ihrer Herbstausstellung eine Künstlerin und zwei Künstler aus Frankreich, die sich mit unterschiedlichen Materialien wie Keramik, Metall und Siebdruck auseinandersetzen und diese in einen Dialog durch Formen, Farben und Muster zueinander setzen. Somit entsteht ein magisches Universum, in dem sich Symbolik, Heiliges und Spirituelles vermischen.

Elisa Redoul ist Keramikkünstlerin und lebt in Toulouse. Sie studierte in Paris Keramik. Ihr konzeptueller und technischer Ansatz ermöglichte ihr eine große Freiheit, einen eigenen Stil in Form und Dekor zu entwickeln. Durch verschiedene Techniken der Gestaltung wie Guss, Prägung und Platten entstehen die unterschiedlichsten Formen.
Ebenso bietet ihre Vorgehensweise in der Arbeit am Dekors eine Vielzahl von Möglichkeiten, in dem sie Pinsel oder Feder benutzt, schabt, eintaucht oder auch Siebdruck verwendet. Dadurch entstehen aus Gebrauchsgegenständen künstlerische Einzelstücke.
Eine große Experimentierfreudigkeit der Künstlerin evoziert den Wunsch mit anderen Künstlern und Projekten zusammenzuarbeiten, wie diese Ausstellung belegt.

Lucas Rousseau ist ausgebildeter Schmid und autodidaktischer Künstler.
Er kreiert Möbel, Skulpturen aus anthropomorphen Forme wie Tiere sowie Pflanzen und verbindet sie in einem traumhaften, phantasmagorischen Universum.
Aus einer Verflechtung von sehnenartigen Strukturen, die an den Skeletten seiner „Chimären“ befestigt sind, entstehen einzigartige Figuren.
Seine Werke sind gekennzeichnet durch die geheimnisvolle Wirklichkeit, die sich hinter dem realen Sichtbaren verbirgt.
So entstehen in der kalten Welt der Metalle Kreaturen, die eine Leichtigkeit repräsentieren, herausgearbeitet aus der Rauheit des Ausgangsmateriales Metall.

Charly Dubois Escorsell ist Plastiker und Siebdrucker. Als Absolvent der Ecole des Beaux Arts von Toulouse erhielt er eine professionelle Ausbildung in seinem Metier. Unter dem Namen Charlax führt er auch Auftragsarbeiten für Projekte etc. aus.
Charly Dubois Escorsell konzentriert sich in seiner Arbeit auf die Symbolik und Zeichen der Antike, der Zeit der Heiligenverehrung im Mittelalter sowie auch der Gegenwart. Die Technik des Siebdrucks erlaubt ihm die ständige Wiederholung eines Themas beziehungsweise eines Motives und ermöglicht ihm einen, wie er selbst sagt, „obsessiven“ Dialog innerhalb dieser künstlerischen Methode. Mit seiner ästhetischen Formgebung möchte er den Betrachter in ein traumhaftes Universum projizieren, indem dieser durch Kontemplation eintreten soll.

Zu sehen sind diese drei künstlerischen Positionen in der Bettendorffschen Galerie Im Schlossgarten in Gauangelloch bis kurz vor Weihnachten, den 20.Dezember 2020.

Kurpfälzisches Museum

Friedrich Dürrenmatt – Karikaturen

18.10.2020 – 07.02.2021

Dürrenmatts Humor, der nach seiner eigenen Aussage „nie zu unterschätzen“ und „überall wirksam“ war, durchzieht sein schriftliches und bildnerisches Werk wie ein roter Faden. Als stets wachsamer Beobachter und Kritiker lieferten ihm die grotesken Auswüchse der Weltpolitik den Stoff seiner Werke. Eine Woche vor seinem Tod erklärte er in einem Interview: „Das Auseinanderklaffen von dem, wie der Mensch lebt, und wie er eigentlich leben könnte, wird immer komischer. Wir sind im Zeitalter der Groteske und der Karikatur.“

Die Karikatur bildet die größte Themengruppe in seinem graphischen Werk. Dies liegt nicht nur an seiner Vorliebe für diese Gattung, sondern auch an der Schnelligkeit und Spontaneität, die ihm diese Kunstform erlaubte. Dürrenmatts zeichnerisches Talent manifestiert sich in seiner Fähigkeit, einen Charaktertyp mit sparsamen Mitteln präzise zu umreissen.

Der Künstler umgab sich in seinem täglichen Leben gerne mit humoristischen Bildern. Bereits in seiner Studienzeit bemalte er die Wände seiner Mansarde im elterlichen Haus mit Karikaturen aktueller Machthaber und Kriegstreiber. Im gleichen Zeitraum illustrierte er seine Mitschriften der Philosophievorlesungen von Richard Herbertz an der Universität Bern mit humorvollen Zeichnungen, die die Geschichte der Philosophie parodieren.

Ein Blick in sein Wohnhaus in Neuchâtel verdeutlicht noch heute sein Interesse an der Karikatur. Dies bezeugt seine Bibliothek, die unzählige Bücher über Karikaturisten enthält, darunter Tomi Ungerer, Loriot, Paul Flora, Saul Steinberg. Nach 1960 bemalte er die Wände, Decke und Türe seiner Toilette mit grotesken Gestalten, die den Benutzer dieses stillen Örtchens von allen Seiten anzustarren scheinen. Als Gipfel der Komik nannte er diesen Raum„Sixtinische Kapelle“, um dessen Bedeutung mit der des Vatikans und sein Talent als Maler selbstironisch mit dem von Michelangelo zu vergleichen.

Als Zeichner reagierte Dürrenmatt auf aktuelle politische Themen. Die Stellung der Schweiz im Zweiten Weltkrieg versinnbildlichte er durch eine Karikatur mit der Aufschrift „Schweizerknabe“. Sie stellt einen durch das Kreuz auf seiner Kappe als Schweizer gekennzeichneten winzigen Mann von drei Paar riesigen Beinen umzingelt dar. Diese symbolisieren die sich bekriegenden und die Schweiz bedrängenden Nachbarländer.

Viele Karikaturen entstanden als Serie, indem der Künstler in rascher Abfolge ein Bildmotiv in zahlreichen Variationen durchdeklinierte. In einigen Fällen bilden zwei oder mehrere Blätter narrative Folgen. Die Ausstellung umfasst ca. 100 Exponate aus dem Besitz des Centre Dürrenmatt Neuchâtel und aus Privatbesitz.

Die Ausstellung ist zweisprachig (deutsch/französisch). Eine zweisprachige Publikation ist zur Ausstellung “Friedrich Dürrenmatt – Karikaturen / Caricatures” erhältlich.

GEDOK-Galerie

Zerbrechliche Architekturen

19.09.2020 – 17.10.2020

Mit der Gastausstellung „Zerbrechliche Architekturen“ setzt die GEDOK Heidelberg ihr 2017 begonnenes Austauschprojekt „Art Connections“ fort. Präsentiert werden drei Künstlerinnen aus Timişoara/Rumänien, die Malerinnen Prof. Daniela Constantin und Prof. Adriana Lucaciu sowie die Bildhauerin Linda-Saskia Menczel, deren außergewöhnliche Kreativität durch vielfältige Erfolge und Auszeichnungen in ihrem Heimatland dokumentiert ist.

Auf jeweils individuelle Weise reflektieren sie die Beziehungen zwischen Künstler und Werk sowie deren osmotische Verknüpfung. Die menschliche Natur des Künstlers als Schöpfer in ihrer Wechselwirkung mit lokalen und globalen Umwelteinflüssen, mit kulturellen, traditionsgebundenen, persönlichen und emotionalen Prägungen spiegelt sich im Kunstwerk wider. Grundlegende existentielle Erfahrungen und Widersprüche, mit denen der Einzelne sich konfrontiert sieht, werden im Medium einer visuellen Sprache untersucht und gestaltet. Reflektiert werden Dualismen wie Ordnung – Unordnung, Männlich – Weiblich, Strenge – Offenheit, Positiv – Negativ, Konkret – Abstrakt. Das Kunstwerk als Resultat dieser Arbeit zielt auf eine subtile Synthese der widerstrebenden Kräfte. Es wird so zu einer Art Membran, die auf zweidimensionaler Fläche oder in dreidimensionaler Form, in chromatischen oder achromatischen Harmonien, in Linien, Texturen oder in Konfigurationen greifbare Realitäten oder imaginative Erkundungen beschreibt.

In diesem Sinne wollen die drei Künstlerinnen ihre Werke als sichtbare – zerbrechliche – Architekturen verstanden wissen, als kognitiv-sinnliche Synthesen, entstanden in permanenter – bewusster oder unbewusster – Auseinandersetzung und Selbstbehauptung gegenüber ihrem Gegenstand.

Ihre Reflexionen überschreiten teilweise den Radius des Individuellen und beziehen auch die Ebene des „sozialen Organismus“ der Nation ein, wo durch künstlerische Formen menschliche Erfahrungen über geographische und kulturelle Grenzen hinweg aufgenommen und weitergegeben werden können. So werden spirituelle Pfade beschritten, auf denen die visuelle Sprache zum Ausdrucksmedium tiefster menschlicher Schichten wird, die in einer kontinuierlichen „Gestaltung und Umgestaltung“ begriffen sind.

GEDOK-Galerie

Assoziationen. Bilder und Objekte

24.10.2020 (Eröffnung 16 – 20 Uhr) – 21.11.2020

Kennzeichnend für die Arbeiten von Raingard Tausch ist das Element der Linie, die meist abstrakt-informell, massiv oder filigran eingesetzt wird. Sie erinnert in ihren gezeichneten, gemalten oder collagierten Bildern an kalligrafische Zeichen, Chiffren, Symbole und Graffitis fremder, archaischer oder moderner Kulturen. Oder aber sie dient, und dann stärker figurativ gestaltet , als spontaner Ausdruck im Sinne des Art brut.

Dies gilt auch für ihre Drahtplastiken, die als Linien und Zeichen im Raum erscheinen. Geflechte und Netze aus Draht, in die oftmals Objets trouvés aus Papier, Textil, Blech oder anderen Materialien eingefügt sind, verwandeln sich in dreidimensionale plastische Raumgebilde, die wie Hüllen oder Cocons wirken, die etwas zufällig Gefundenes in sich bergen. Durch ihre Transparenz, Biegsamkeit und Perspektivenvielfalt laden diese mit Draht “gezeichneten” Objekte den Betrachter zu spontanen und subjektiven Assoziationen ein.

Raingard Tausch, Malerin, Zeichnerin und Objektkünstlerin, lebt und arbeitet in Heidelberg

Museum Haus Cajeth

Hölderlin und die Brüder Grimm

01.10.2020 – 31.12.2020

Zum zweiten Mal seit 2014 ist Arnold Annen Gast in der Galerie Marianne Heller, dieses Mal begleitet von Violette Fassbaender, Lebens-und Werkstattgefährtin. Auf den ersten Blick nimmt der Betrachter der Werke der beiden Schweizer Künstler vor allem ihre Unterschiede wahr: hier Arnold Annens durchscheinend dünnwandige, scheinbar schwebende weiße Schalen und Objekte aus Porzellan, dort Violette Fassbaenders spannungsvolle, in sich geschlossene, aus Porzellan und Steinzeug gebaute Körper. Bei näherer und wiederholter Betrachtung jedoch wird ihre Verwandschaft spürbar. Beide Künstler präsentieren uns Findlinge aus dem Reich des Unsichtbaren, scheinbar nur aus Licht bestehende Membranen hochgebrannten harten Porzellans, Einzellern ähnelnde, an unsere ozeanische Herkunft erinnernde Skulpturen, aus Matterhörnern und Moränenlandschaften der Imagination komponierte Relikte der Erdgeschichte: vollkommenes, ingeniöses Handwerk im Dienst großer Kunst.

Völkerkundemuseum

Tsuso

13.09.2020 – 10.01.2021

Der Begriff „Tsuso“ bezeichnet die fein gemalten, meist kleinformatigen Bilder, die unter dem Eindruck der stetig steigenden ausländischen Präsenz im China des frühen 19. Jahrhunderts in Guangzhou (Kanton) in großer Zahl angefertigt wurden. Als beliebtes und preisgünstiges Souvenir fanden die Malereien mit ihren typischen Sujets reißenden Absatz bei den zahlreich in die Stadt strömenden europäischen und amerikanischen Handelsreisenden.  Kaufleute und Seefahrer trugen so einen Blick auf China in die ganze Welt, der bis heute nachhallt. Die Extravaganz dieser Kunstform endet jedoch nicht mit der feinen und detailreichen Ausgestaltung der Gouachen. Der Malgrund selbst stellt eine weitere Besonderheit dar. Anders als bei klassischem Papier aus Holz- und Pflanzenfasern wird der Malgrund dieser kleinen, liebreizenden Bilder direkt aus dem Mark des immergrünen Reispapierbaumes (Tetrapanax papyrifer) herausgeschnitten. Der Effekt, den das Material auf die Bildwirkung hat, macht dieses Genre der Malerei zu einem außergewöhnlich plastischen und einfach hinreißend ästhetischen Erlebnis.

Die Ausstellung präsentiert erstmals eine Auswahl von mehr als 80 dieser teils nur wenige Zentimeter großen Malereien aus den museumseigenen Sammlungen.

Prinzhornsammlung

Ein mehrfacher Millionenwerth

26.03.2020 bis 31.10.2020

Die Ausstellung „Ein mehrfacher Millionenwerth“ ist der Auftakt zu der am 17. Mai eröffnenden Dauerausstellung „Die Sammlung Prinzhorn: Von Irrenkunst bis Outsider Art“. Gezeigt werden besonders fragile Werke der historischen Sammlung, die nicht mehr dauerhaft präsentiert und in der Regel auch nicht mehr verliehen werden können. Unter diesen Schätzen der Sammlung sind auch Ikonen des Fundus, wie das selbst genähte und mit autobiographischen Texten bestickte Jäckchen von Agnes Richter (1895), das Vexierbild Hexenkopf/Landschaft (zwischen 1913-1917) von Hans Prinzhorns „schizophrenem Meister“ August Natterer und die von Carl Lange dokumentierten, visionären Wunderbilder, die er um 1900 in seiner Schuheinlegesohle entdeckte und denen er „mehrfachen Millionenwerth“ zuschrieb. Aber es gibt natürlich auch wieder Neues und Unbekanntes zu entdecken, darunter eine große Vielfalt von Heften und Büchern, die von Psychiatriepatienten angefertigt wurden und von denen viele noch nie ausgestellt waren.

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