Far Side: Anja Lechner – Björn Meyer – Michele Rabbia

Drone Music lässt sich gar nicht so leicht definieren. Es handelt sich dabei jedenfalls nicht um eine bestimmte Kunstrichtung, es gibt keine eindeutig zu benennenden Traditionen, auch von einem Stil lässt sich eigentlich nicht sprechen. Drones spielen vielmehr in unterschiedlichsten Kulturen eine Rolle, und verschiedene Genres nutzen sie für ihre jeweiligen Zwecke. Man findet sie heutzutage in improvisierter und Minimal Music, bei Neuer Musik, im Jazz und Ambient, im Noise sowie im Dark Jazz, Postrock und Drone Metal.
Drones können brummende, tiefe, lang gehaltene Töne sein. Sie können aber auch hoch, gehaucht oder ganz klar sein. Klänge, die sich in unendlich scheinende Weiten ausdehnen, nicht ganz von dieser Welt und schwebend geradezu eine körperliche Wirkung erzeugen. Es sind Sounds, die direkt aus tieferen Erdschichten zu kommen scheinen und mehr gefühlt als gehört werden. Sie haben etwas Natürliches, Naturwüchsiges.

In vielen, auch sehr alten Musiktraditionen gibt es Musiker, die darauf spezialisiert sind, ihr ganzes Leben lang Drones oder Borduntöne auf ihren Instrumenten wie dem Duduk, Tanpura, Harmonium, Dudelsack u.v.a. zu gestalten. Wenn es sich aber um ein rein elektronisch erzeugtes Drone handelt, lassen sich diese heutzutage technisch relativ leicht produzieren.

Insofern sind sie „ausgesprochen demokratisch und egalitär“, so Rainer Kern, Festivalchef von Enjoy Jazz. Einem Computerspiel nicht unähnlich, könnten sie „auf Basis von theoretisch zahlenmäßig unbegrenzten, vorgefertigten Versatzstücken von jedem, auch von Nicht-Musikern, hergestellt werden“. Hier setzt Enjoy Jazz an: Hörerinnen und Hörer werden zu Machern, und das im Rahmen einer Ausschreibung, deren Bedingungen auf nomelodyarchive.com näher erläutert werden.

Die Musik, die sich dann live auf der Bühne auch mit Fundstücken aus den eingereichten Drones verbinden wird, stammen von drei exzeptionellen Instrumentalisten: Die Cellistin Anja Lechner und der Bassist Björn Meyer haben schon im letzten Jahr mit dem Projekt „Bordun in Motion“ gezeigt, welche verstörend-ekstatischen Momente von Drones ausgehen können. Nun gesellt sich der italienische Schlagzeuger Michele Rabbia hinzu, der unter anderem aus seiner Zusammenarbeit mit Musikern wie Stefano Battaglia, Eivind Aarset und Emile Parisien bekannt ist.

Es dürfte ein faszinierendes Experiment werden: Denn der Verlauf der Musik wird sich fortwährend wandeln, je nachdem, welche Klänge die drei Musiker:innen auswählen und in das gemeinsam gestaltete und improvisierte Geschehen einfließen lassen.

Auf der Plattform www.nomelodyarchive.com können Drones ganz einfach hochgeladen werden. Ein Tutorial erklärt wie das geht.

Datum

03 Okt 2021
Beendet

Uhrzeit

19:00 - 19:00
Betriebswerk Heidelberg

Ort

Betriebswerk Heidelberg
Am Bahnbetriebswerk 5, 69115 Heidelberg
Kategorie
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