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Der Weg nach Oobliadooh von Fritz Rudolf Fries

In der Neueren Zürcher Zeitung stand einmal zu lesen, dass bei allerlei nicht erschienen Büchern in der DDR heutzutage kaum noch nachvollziehbar sei, warum die Zensur aktiv geworden sei. Anders allerdings liege der Fall bei „Der Weg nach Oobliadooh“ von Fritz Rudolf Fries (1935-2014), wo auf jeder Seite die Gründe für das Nichterscheinen klar zu erkennen seien. Wo sich der DDR-Literatur-Mainstream auf den „Bitterfelder Weg“ des sozialistischen Realismus begeben hatte, wählte Fries, geboren 1935 in Bilbao, das subversive Abseits der Phantastik und des bohemistischen Schelmenromans. „Der Weg nach Oobliadooh“ erschien 1966, auf Vermittlung Uwe Johnsons, bei „Suhrkamp“ im Westen. Auf der anderen Seite der Mauer wurde es dagegen zum „dienstältesten Nichtbuch in der DDR“ (Wilfried F. Schoeller), das erst 1989 gekürzt publiziert wurde. Ein Grund dafür könnte sein: „Der Weg nach Oobliadooh“ ist Prosa voller Rhythmus, Nonkonformismus, Größenwahn, kurzum: Jazz. Schon der Titel bezieht sich auf ein Stück von Dizzy Gillespie: „In the Land of Oo-Bla-Dee“. Die beiden Protagonisten Arlecq und Paasch sind Leipziger Bohemiens und Jazz-Fans, schwärmen für die Musik von Dizzy, Charlie, Thelonious und Bud, für Bebop, der zu jener Zeit – 1957/58 – in der DDR noch als wahlweise dekadent, snobistisch oder als jugendgefährdend galt. Mit Jazz, Alkohol und Wortwitz glauben sich Arlecq und Paasch dem banalen sozialistischen Alltag entziehen zu können, was sich nach Zwischenstops in der Psychiatrie und der finalen bürgerlichen Ehe zwar als Irrtum erweist, aber den Weg trotzdem reizvoll erscheinen lässt. Man hat Fries´ wundersame Prosa wahlweise mit Jack Kerouacs „On the Road“ oder Salingers „Fänger im Roggen“ verglichen; im Film korrespondierend mit der Darstellung subversiver Jugendlichkeit in „Berlin – Ecke Schönhauser“. Fritz Rudolf Fries schien sich eine schöne Nische im Kulturleben der DDR geschaffen zu haben, bis irgendwann herauskam, dass er sich 1976 mit der Staatssicherheit eingelassen hatte und „Der Weg nach Oobliadooh“ in Vergessenheit geriet. Ganz in Vergessenheit allerdings nicht. Der Literaturkritiker und engagierte „Oobliadooh“-Fan Helmut Böttiger besorgte 2012 eine bibliophile Neuausgabe in der „Anderen Bibliothek“. So schließen sich in dieser musikalischen Lesung gleich mehrere Kreise, die es zu erinnern gilt, weil sie zu entdecken lohnen.

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24 Okt 2021
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