100 Jahre Mensa im zeughaus

Das studentische Herz Heidelbergs feiert Geburtstag: 100 Jahre Mensa academica, 100 Jahre zeughaus – Mensa empfängt wieder verweilende Gäste. Vom Waffenlager zur Speisehalle, Grundversorgung für die notleidenden Studiosi der Zwanziger. Festliche Köstlichkeiten am Freitag, 21. Mai 2021


Seit einem Jahrhundert ist sie eine echte Institution: Die Mensa academica – heute besser bekannt als zeughaus-Mensa im Marstall mitten in der Heidelberger Altstadt. Am 21. Mai 1921 wurde die akademische Speisehalle aus der Taufe gehoben. Und noch eine Premiere gibt es am Freitag: Mit negativem Coronatest, zweifacher Impfung oder einer offiziellen Bescheinigung über die Genesung dürfen sich die Gäste wieder unter den Spitzbögen niederlassen und ihr Mittagessen zu viert am Tisch genießen! Im Innenhof des Marstalls können sich die Gäste direkt vor dem Essen kostenlos testen lassen; Schnelltests für den privaten Gebrauch dürfen leider nicht akzeptiert werden. Rechtzeitig zum Jubiläum öffnet auch der Außenbereich im Marstallhof wieder.
Seit ihrer Gründung ist die akademische Speisehalle weit mehr als ein bloßer Ort der Nahrungsaufnahme: Wer in Heidelberg studiert, kennt das zeughaus als place to be in der Altstadt. „Was das studentische Leben so besonders macht, das sind die Begegnungen mit vielen anderen interessanten Menschen. In unserem zeughaus bringen wir die Studentinnen und Studenten zusammen – und das mit der wohl besten Grundlage, leckerem Essen. Das zeughaus ist nun seit hundert Jahren das Herz des studentischen Heidelbergs und bleibt es hoffentlich auch für die nächsten hundert!“, freut sich Tanja Modrow, Geschäftsführerin des Studierendenwerks Heidelberg, über die steinerne Jubilarin.

Wechselhafte Geschichte: Das zeughaus im Wandel der Zeit
Schon vor seiner steilen Karriere als studentischer Hotspot hatte das zeughaus eine lange Geschichte im Gepäck, diente es doch auch schon als kurfürstliches Waffenlager und ist zudem eines der wenigen erhaltenen spätmittelalterlichen Gebäude Heidelbergs. Auch mit der Schifffahrt war es seit jeher eng verbandelt, denn seine gesamte Nordfront stand früher komplett im Wasser. Bei einer so flussnahen Lage nimmt es nicht wunder, dass das Gebäude auch als Zoll-Lagerhaus für die am Krahnenplatz anlegenden Schiffe genutzt wurde.
In den Zwanzigern des letzten Jahrhunderts sollte das zeughaus dann seine wichtige Rolle im studentischen Leben bekommen, als es die akademische Speisehalle beherbergte.

Für notleidende Studiosi: Die Mensa academica
Die Zeiten machten es notwendig: Kurz nach dem Ersten Weltkrieg herrschten in der Studierendenschaft Hunger und Not. Das geläufige Bild vom armen Bettelstudenten kommt nicht von ungefähr, sondern war damals bittere Realität. Nahrungsmittel waren knapp, und gerade Studentinnen und Studenten zumeist in einer prekären Lage, verdienten sie ja noch kein eigenes Geld.
Das zeughaus eroberte sich rasch einen festen Platz im Herzen der Studierenden. Einen wesentlichen Anteil daran hatten die Kochkünste der ersten Mensaleiterin, die noch dazu echten Bohnenkaffee für nur 50 Pfennig die Tasse anbot – damals eine echte Sensation und eine absolute Seltenheit! Auch die Pfannkuchen waren für die hungrigen JungakademikerInnen ein besonderes Schmankerl. Schon in der Frühzeit des zeughauses wurde Wert auf abwechslungsreiche Esskultur gelegt, nicht bloß auf reine Sättigung.

Auf die 100: Leckereien am Freitag
Hundert wird man schließlich nur einmal, und daher wird im zeughaus am Freitag, 21. Mai, natürlich ordentlich aufgetischt. Die Zwanziger standen auch bei der Gestaltung des Speiseplans Pate, was sich an süßen Mehlspeisen, Kartoffeln als Beilage und Fleischspeisen zeigt, die natürlich nur an Festtagen auf den Tisch kamen. Halbe Ente mit Schupfnudeln sowie Tafelspitz mit Meerrettichsauce und Kartoffeln sind nur einige der Leckereien, die geboten werden. Festtagsgulasch mit Bohnen, Graupen und Speck mit Spätzle führen die Liste fort, und mit Gemüse-Bulgur in Tomaten steht auch eine fleischlose Variation zur Auswahl. Auf die Naschkatzen unter den Gästen wartet die Süße Theke mit Armen Rittern, Kaiserschmarren und natürlich Pfannkuchen, die von Vanillesauce, Pflaumen und Zimt und Zucker begleitet werden. Wer das besondere Flair der studentischen Speisehalle auf sich wirken lassen möchte, kann dies mit kompletter Corona-Impfung, nach bescheinigter überstandener Infektion oder mit negativem Test tun und sein Essen im historischen Ambiente des zeughauses genießen.

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